Je weniger Medikamente werdende Mütter einnehmen (müssen), umso besser. Im Fall von Fieber oder Schmerzen gilt Paracetamol seit Jahrzehnten als eines der wenigen Mittel, das sie bedenkenlos nutzen können. Diese Gewissheit wurde leider in Frage gestellt, als sich unlängst der aktuelle Präsident der USA genötigt fühlte, dem schwangeren Teil der Weltöffentlichkeit mitzuteilen: „Kämpft wie der Teufel, um es nicht zu nehmen!“ Die Frauen sollten, solang sie kein hohes Fieber haben, Beschwerden durchstehen, anderenfalls drohe ihren Kindern Autismus. Als „Beleg“ führte er an, dass auf Kuba, wo der Wirkstoff selten verfügbar ist, Autismus viel seltener sei. Es dauerte zum Glück nicht lang, bis weltweit faktenorientierte Kreise aus Medizin und Wissenschaft auf Details eingingen, um abschließend festzustellen, das Paracetamol während der Schwangerschaft „eine viel sicherere Option zur Schmerzlinderung ist und bleibt als praktisch jede Alternative“.
Gleichzeitigkeit ist nicht gleich Ursache
Der Verdacht und die Diskussionen über einen Zusammenhang zwischen Paracetamol-Einnahme in der Schwangerschaft und Entwicklungsdefiziten wie der Autismus-Spektrum-Störung (ASD) sind nicht neu. Allerdings gehen die Kenntnisse bislang nicht über den Umstand hinaus, dass es Untersuchungen gibt, die eine Gleichzeitigkeit des Auftretens (Assoziation) der beiden Sachverhalte feststellen. Belege für eine ursächliche Wirkung (Kausalität), die den Satz „Paracetamol führt zu Autismus“ zur Folge haben müsste, gibt es nach aktuellem Stand nicht. Stattdessen zeigen andere Studien keinerlei Assoziationen und in einigen wird Paracetamol sogar eine schützende Wirkung attestiert.
In Schweden verglich im vergangenen Jahr eine große Untersuchung gezielt Geschwisterpaare. Ergebnis: Ob die werdende Mutter in der Schwangerschaft Paracetamol einnahm, hatte keinen Einfluss auf das Autismusrisiko des Nachwuchses. „Wahrscheinlich sind familiäre Faktoren wie Genetik, Lebensumstände und andere Umwelteinflüsse viel entscheidender“, schrieben die Autoren. Für Fachleute sind die Ursachen für eine Autismus-Störung vielfältig, vor allem aber unklar. Bekannte einzelne Gründe fehlen. In diese diffuse Datenlage hinein bezogen nach dem Ausfall im Weißen Haus Wissenschaftler und Fachgesellschaften auf der ganzen Welt Stellung – und zwar pro Paracetamol in der Schwangerschaft.
Schmerzmittel und Fiebersenker der Wahl
„Paracetamol bleibt eine wichtige Option zur Behandlung von Schmerzen oder Fieber von Schwangeren“, stellen die Weltgesundheitsorganisatin WHO und die Europäische Arzneimittelagentur EMA fest. In Deutschland bewertet Embryotox, die Informationsplattform der Charité-Universitätsmedizin Berlin zur Verträglichkeit von Medikamenten während der Schwangerschaft und Stillzeit, Paracetamol weiter als „Analgetikum und Fiebersenker der Wahl“ in der Schwangerschaft. Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) schließt sich in einem Statement auf seiner Website dieser Einschätzung an und gibt in der Folge einen Hinweis auf die Unverzichtbarkeit ärztlicher Beratung in dieser sensiblen Zeit.
Die Gesundheit von Mutter und Kind im Blick
Eine sichere Schmerzmedikation in der Schwangerschaft erfordert eine genaue Abwägung – was der Mutter hilft, darf dem Kind nicht schaden. Werdende Mütter sollten Medikamente grundsätzlich nur in Rücksprache mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt einnehmen.
In unserer Praxis haben wir die Gesundheit von Mutter und Kind im Blick und stehen Schwangeren gern mit Rat und Tat zur Seite, wenn sie sich krank fühlen und das Einnehmen von Medikamenten erwägen. Die zuvor gewohnte Hausapotheke ist nicht mehr sicher. Bei der Wahl des Schmerzmittels beispielsweise spielt der Fortschritt der Schwangerschaft eine entscheidende Rolle. Weil Paracetamol im Gegensatz zu Ibuprofen in jeder Phase der Schwangerschaft einsetzbar ist, setzen wir, um kritischen Situationen von vornherein aus dem Weg zu gehen, in der Schwangerschaft ausschließlich auf Paracetamol.