Im Jahr 2024 wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) bis zum 8. Dezember knapp 24.000 Keuchhusten-Fälle gemeldet – eine außerordentlich hohe Zahl, die bis zum Jahresende an der Marke 25.000 gekratzt haben dürfte. Zum Vergleich: Von 2014 bis 2019 (vor Covid) betrug der Durchschnitt aller Fälle mit rund 12.500 pro Jahr etwa die Hälfte. Woran liegt das? Leif Erik Sander, Direktor der Infektiologie der Berliner Charité, führt Nachholeffekte nach der Corona-Pandemie als mögliche Erklärung an. „Während der Pandemie hatten viele Menschen wegen der Infektionsschutzmaßnahmen keinen Kontakt mit dem Keuchhusten-Erreger. Dadurch hat die Immunität in der Bevölkerung abgenommen, weshalb nun mehr Menschen erkrankten.“
Eine hochansteckende, für Säuglinge besonders gefährliche Krankheit
Keuchhusten (Pertussis) ist eine hochansteckende Krankheit, vor allem verursacht durch das Bakterium Bordetella pertussis, nachdem es per Tröpfcheninfektion durch Niesen, Husten oder Sprechen übertragen wurde. Erwachsene, Jugendliche und die meisten Kinder erleben Pertussis als lang (mehrere Wochen bis Monate) andauernden Husten in drei typischen Stadien:
1. etwa zwei Wochen lang grippeähnliche Symptome,
2. zwei bis sechs Wochen immer wieder starke Hustenattacken, die
3. am Ende sowohl in Zahl als auch Heftigkeit immer weniger werden.
Bei kleineren Kindern und erst recht Säuglingen sind auch schwerere Verläufe und Komplikationen (z. B. Lungenentzündung) möglich. Ein hoher Anteil aller Krankenhausbehandlungen und fast alle Todesfälle betreffen junge, ungeimpfte Säuglinge unter sechs Monaten.
Dazu kommt: Die Gefährdetsten trifft es am häufigsten. Wie das RKI in seinem Epidemiologischen Bulletin zum Jahresende feststellt, war „im Jahr 2024 mit bisher 121,7 übermittelten Fällen pro 100.000 Einwohner die Altersgruppe der Säuglinge im Alter von unter einem Jahr am stärksten betroffen.“ Etwa die Hälfte der erkrankten Säuglinge musste stationär behandelt und überwacht werden. Befragungen zum Impfstatus ergaben, dass die Mütter von 81 Prozent der erkrankten Säuglinge sich in der Schwangerschaft nicht gegen Pertussis hatten impfen lassen. Die Mehrheit der gesamten 2024 bekannt gewordenen Fälle war zum Zeitpunkt der Erkrankung nicht geimpft oder ohne Auffrischungsimpfung.
Impfungen gegen Keuchhusten: wirksam und sicher für Mutter und Kind
Säuglinge und Kleinkinder können vor Lebensgefahr durch Keuchhusten bewahrt werden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Pertussisimpfung für alle Säuglinge im Alter von zwei, vier und elf Monaten. Der frühestmögliche Beginn der Impfserie soll sicherstellen, dass die Kinder zu einem Zeitpunkt geschützt sind, zu dem die Gefährdung durch Keuchhusten am größten ist. In den ersten Lebenswochen, bevor das Neugeborene selbst geimpft werden kann, schützt die Impfung der werdenden Mutter im letzten Drittel der Schwangerschaft (zwischen der 28. und 32. Schwangerschaftswoche). Sie baut den für das Kind notwendigen Nestschutz auf: Der Antikörpergehalt im Blut der Mutter ist dann so hoch, dass für beide genügend Schutzstoffe vorhanden sind.
Weil eine Infektion mit Pertussis in den meisten Fällen in der nächsten Umgebung stattfindet, beispielsweise durch Eltern und Großeltern, die nicht wissen, dass sie das Bakterium in sich tragen, sollten alle Kontaktpersonen von Neugeborenen bis vier Wochen vor der Geburt frisch gegen Pertussis geimpft sein. Für Heranwachsende empfiehlt die STIKO Auffrischimpfungen vor Schuleintritt (5 bis 6 Jahre) und im Jugendalter (9 bis 16 Jahre).
Organisatorisch lässt sich die Impfung der Schwangeren problemlos mit der dritten Ultraschalluntersuchung verbinden, die zwischen der 29. und der 32. SSW stattfindet. Den Termin der dritten Ultraschalluntersuchung können werdende Väter und Familienangehörige zudem nutzen, um sich in unserer Praxis selbst gegen Pertussis impfen zu lassen.